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Psychoanalyse

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Psychoanalyse Artikel

Die Psychoanalyse ist

  1. ein von Sigmund Freud entwickeltes Behandlungsverfahren seelischer Vorgänge mit dem Absicht, die nicht bewusste Bedeutung von Worten, Handlungen und Vorstellungen zu ergründen.
  2. eine Therapiemethode psychischer Störungen. In dem Rahmen der Therapie, auch Psychoanalyse oder Analyse genannt, wird versucht, die Widerstände, Übertragungen oder geheime Wünsche des Patienten durch Deutung offenzulegen, klarzumachen und damit aufzulösen.
  3. ein mehrschichtiges System von Theorien über Auswirkungen unbewusster psychischer Abläufe auf das Fühlen, Denken und Handeln von Menschen. Die Bausteine dieser Theorien stammen aus der Behandlung seelischer Vorgänge und der Therapie psychischer Störungen.

Gegenstand psychoanalytischer Behandlungen sind daneben Phänomene der kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklung.

Neben Sigmund Freud sind Karl Abraham , Alfred Adler, Siegfried Bernfeld, Helene Deutsch, Paul Federn, Otto Fenichel, Sandor Ferenczi, Ernst Hartmann, Ernst Jones, Carl Gustav Jung, Hermann Nunberg, Sandor Rado, Otto Rank, Wilhelm Reich, Theodor Reik, Herbert Silberer, Wilhelm Stekel, Viktor Tausk als wichtige Analytiker der ersten Generation zu bezeichnen. Die Psychoanalyse Freuds fand auch viele Kritiker, darunter auch ehemaligen Mitarbeiter (Alfred Adler, Carl Gustav Jung und Wilhelm Reich). Einige Thesen Freuds (Penisneid und Todestrieb) gelten heute als Relikt der pessimistisch geprägten Weltanschauung des Bürgertums in dem ausgehenden 19. Jahrhundert.

Inhaltsverzeichnis
Buch-Tipp: Das Ich und das Es. Metapsychologische Schriften. (Psychologie). Guter Einstieg in die Metapyschologie Dieses Buch ist eine wirklich gute Einführung in die Abhandlungen des Sigmund Freund. Es enthält, glücklicherweise, keine Briefwechsel und auch keine Memoiren. Stattdessen ist gliedert sich diese Buch nach den verschiedenen Grundbegriffen der Metapsychologie und ist durchaus so geschrieben, dass auch jemand...

Entstehung der Psychoanalyse

Die Psychoanalyse hat ihre Wurzeln in der Naturwissenschaft, Medizin, Philosophie und Kunst.

  • Naturwissenschaft: Gustav Theodor Fechner, Physiker und Philosoph, machte wichtige Aussagen zur Psychophysik: "Unter Psychophysik soll hier eine exacte Lehre von den functionellen oder Abhängigkeitsbeziehungen zwischen Körper und Seele, allgemeiner zwischen körperlicher und geistiger, physischer und psychischer Welt verstanden werden. Zu dem Gebiet des Geistigen, Psychischen, der Seele rechnen wir überhaupt das, was durch innere Wahrnehmung erfasslich oder daraus abstrahierbar ist, zum des Körperlichen, Leiblichen, Physischen, Materiellen das, was durch äußere Wahrnehmung erfasslich oder abstrahierbar ist." (Fechner 1889, 8). Von ihm stammen Gesetze über Druckausgleich bei Flüssigkeiten (Hydraulik), über Energiegleichgewichte und Energieaustausch in dem Körper (Ökonomie, Energieerhaltung, Ladung, Besetzung usw.).
  • Philosophie: Arthur Schopenhauer und Friedrich Nietzsche thematisierten beide explizit unbewusste Kräfte wie Wille (zum Beispiel Schopenhauers Wille zu dem Leben) und Triebe (zum Beispiel Libidotrieb). Johann Friedrich Herbart (1776-1841), Philosoph und Pädagoge, war der Erste, der sich ausführlich mit der Bedeutung der Triebe und dem Unbewussten auseinander setzte. Eduard von Hartmann (1842-1906) beschäftigte sich mit der Philosophie des Unbewussten.
  • Dichtung: Bei Goethe findet sich die erste deutsche Verwendung des Wortes Unbewusstes in seinem Gedicht An den Mond 1777).

Die Psychoanalyse wurde von Sigmund Freud zu Beginn des 20. Jahrhunderts als erste umfassende Theorie des Unbewussten entwickelt. Der Begriff wurde schon von Ernst Mach, Johann Christian Reil, Carl Gustav Carus, Eduard von Hartmann und Friedrich Wilhelm Hagen benutzt.

Freud behandelte Fehlleistungen und auch Überlieferungen wie Mythen, Märchen, Witze, Bräuche und populäre Glaubensformen, für deren Herausbildung er annahm, dass ubiquitäre psychische Funktionsweisen bei allen Menschen wirksam wären. Die Funktionsweise psychischer Vorgänge leitete er hauptsächlich aus dem Traum ab, den er als imaginäre Wunscherfüllung verdrängter Kindheitsträume auffasste. Als Zugang zu dem Unterbewussten wird die Traumdeutung und das Studium von Fehlleistungen empfohlen.

Buch-Tipp: Das Kind, das eine Katze sein wollte. Psychoanalytische Arbeit mit Säuglingen und Kleinkindern. fundierte erkenntnisse anschaulich dargestellt die autorin versteht es, grundlegende erkenntnisse ihrer arbeit mit schwer traumatisierten säuglingen/ kleinkindern bzw. der forschungen der bekannten französischen psychoanalytikerin francoise dolto für den leser anschaulich und nachvollziehbar darzustellen. ein sehr wichtiges buch für...

Freud, Breuer und Hypnose

Mit dem 14 Jahre älteren Wiener Familienarzt Josef Breuer wandte Freud in seiner 1886 eröffneten nervenärztlichen Praxis neben Elektrotherapie auch Hypnose an. Das war für ihn eine Brücke zu dem Unbewussten, die Verdrängtes und Vergessenes als Ursache für spätere Störungen zugänglich machten sollte. Breuer ruft Freud 1892 zu einem Fall, der unter dem Pseudonym Anna O. (Bertha Pappenheim) in die Annalen der Psychoanalyse eingehen sollte: Eine Patientin, die bis dahin einen völlig geschlechtslosen Eindruck auf die beiden Ärzte gemacht hatte, zeigte alle Symptome eines (hysterischen) Geburtsvorgangs, worauf Breuer, erschreckt, fluchtartig das Haus verlässt. Freud unter dem Eindruck dieser Behandlung: "So wurde ich dazu geführt, die Neurosen ganz allgemein als Störungen der Sexualfunktion zu erkennen und zwar die so genannten Aktualneurosen als direkten toxischen Ausdruck, die Psychoneurosen als psychischen Ausdruck dieser Störungen." ... (Freud, S. [1930] 1982, Bd. 9, 220).

Entwicklung der Psychoanalyse aus der Hypnose:

  1. Hypnose mit Absichtsuggestionen (mit hypnotischem Auftrag)(1887 [1950], Briefe an Fließ, Brief Nr. 2. In Aus den Anfängen der Psychoanalyse
  2. Hypnose mit dem analytischen Ansatz: Das Wachrufen von Erinnerungen mit Katharsis (1889).
  3. Hypnose mit Einsicht durch Interpretation (1892).
  4. Freie Assoziation und Traumdeutung mit Einsicht durch Interpretation und Analyse von Übertragung und Widerstand (1912). (nach Frank & Frank, 1977, S. 63).

Die Hypnose als Behandlungsform wurde aber aus folgenden Gründen nach und nach aufgegeben:

  • Nur ein Teil der Menschen ist hypnotisierbar.
  • Heilungserfolge waren begrenzt.
  • Traumatisierende Erfahrungen, die unter Hypnose zugänglich waren, konnten von den Patienten außerhalb der Hypnose nicht wiederbelebt werden.
Buch-Tipp: Das Pickup-Handbuch - Frauen verstehen und erobern durch Entwicklung von Persönlichkeit und Kommunikation Guter Überblick! Ich kenne nun einige PickUp-Bücher und dieses hier bietet einen guten Überblick über die "deutsche" Art des PickUps (d. h. viel Inner Game, etc. ) Sehr gut um herauszufinden, auf welchem Gebiet man sich vertiefen will, aber auch für Einsteiger gut geeignet. Gern gelesen.

Die Traumatheorie

Nicht ca. in der Behandlung, auch in der theoretischen Erklärung für psychische Erkrankungen vollzieht Freud nach der Frühphase der Psychoanalyse eine tiefgreifende Änderung. So hat er vor ungefähr 1897 die so genannte Traumatheorie verfochten. In seiner Praxis kamen in dem Laufe der Behandlung eine große Anzahl von sexuellen Missbrauchsgeschichten zu dem Vorschein. Freud vertrat unter dem Eindruck der überaus zahlreichen Berichte von Patienten, die solche Erfahrungen gemacht hatten, eine Zeitlang die Theorie, dass die psychischen Erkrankungen hauptsächlich auf psychosexuelle Traumatisierungen zurückzuführen seien. In allgemeiner Form bezeichnet man die Erklärung für psychische Erkrankungen aus so genannten Traumatisierungen (nicht ca. sexueller Art) die Traumatheorie.

Vielfach werden heute zwei Formen von schädigenden Erfahrungen in der Kindheit angenommen:

  1. Traumatische Erfahrungen, das heißt: einzelne oder wiederholt vorkommende Erfahrungen und Erlebnisse, die durch Inhalt und Schwere für das Kind nicht verarbeitbar sind (z.B. die Erfahrungen schwerer körperlicher Misshandlungen). Das führt zu den so genannten Traumata-Neurosen.
  2. Die eher schleichenden Dauerschädigungen durch das Milieu (zum Beispiel Familien in denen über Gefühle nicht geredet wird, Familien in schwierigen sozialen Verhältnissen, Armut usw.) führen zu so genannten Milieuneurosen.
Buch-Tipp: Der Verrat am Selbst Die Autonomie des Menschen und ihre Zerstörung Arno Gruen beschreibt in diesem Buch die Autonomie des Menschen und die grundlegende Tendenz mancher Gesellschaften, die Entwicklung derselben zu verhindern. Was versteht der Autor unter Autonomie: Kurz gesagt, die Fähigkeit, in dem Einklang mit den eigenen Bedürfnissen zu leben. Die Unterdrückung der...

Die Triebtheorie

Um in dem puritanischen Wien der Jahrhundertwende nicht zu sehr in das Abseits gedrängt zu werden, um die Psychoanalyse berufspolitisch nicht noch mehr zu isolieren und wohl auch aus persönlichen Gründen (Freud ging eine Zeitlang davon aus von seinem Vater sexuell stimuliert worden zu sein, eine Ansicht die er später wieder aufgab, wohl weil sie für ihn alleine nicht verarbeitbar war) wandte er sich von dieser Auffassung ab (von Einzelfällen abgesehen) und sah mehr die Triebkonflikte in der individuellen psychosexuellen Reifung als krankheitsverursachend. Dies ist die Basis der so genannten Triebtheorie.

Freud revidierte seine Theorie der Triebe mehrfach:

  • Erste Phase, 1905 - 1914: Dualistisches Modell: "Von besonderer Bedeutung für unseren Erklärungsversuch ist der unleugbare Gegensatz zwischen Trieben, welchen der Sexualität, der Gewinnung sexueller Lust dienen, und den anderen, welche die Selbsterhaltung des Individuums zu dem Absichte haben, den Ich-Trieben." (Freud, [1910], 1982, 209).
Ich-Triebe oder Selbsterhaltungstriebe: Triebtypus, dessen Energie das Ich in dem Abwehrkonflikt benutzt. Die Ich-Triebe funktionieren nachdem Realitätsprinzip.
Sexualtriebe (Libido): Die Energie der Sexualtriebe ist die Libido. Die Libido kann gemäß ihres Besetzungsobjektes in Ich-Libido und Objektlibido unterteilt werden.
  • Zweite Phase, 1914 - 1915: Kein dualistisches Triebmodell, stattdessen nimmt Freud in dieser Phase einen libidinösen Trieb an, der in zwei Ausprägungen erscheint, in einer aggressiven und einer in dem weitesten Sinne sexuellen Form.
  • Dritte Phase, ab 1920: Eros und Todestrieb. Triebe werden durch die Qualitäten "Quelle", "Objekt", "Ziel" und "Drang" beschrieben.
Buch-Tipp: Der kompetente Säugling Säuglingsforschung, Bindungstheorie und Psychoanalyse Martin Dornes zeichnet in diesem Buch ein ungemein vielfältiges, vielfach ungewohntes und faszinierendes Bild des "kompetenten Säuglings". Obwohl er offensichtlich bevorzugte Referenzautoren hat (Daniel Stern, John Bowlby, Berry Brazelton, Caroll Izard) diskutiert und referiert er eine Unzahl...

Theorien der Psychoanalyse

Buch-Tipp: Die Geliebte. Was es heißt, die Andere zu sein (Book on Demand) Affären sind anderen Affären sehr ähnlich, und kein "besonderer Einzelfall" Sehr exakt lässt sich lesen, dass die Geliebten keinesfalls Einzelfälle sind, deren eigene Geschichte ausgerechnet die komplexere oder andersartige ist. Es ist eben doch falsch, dass gerade die eigene Geschichte als "Sonderfall" unter den "gewöhnlichen Affären" verstanden...

Phasentheorie

Die Phasentheorie beschreibt die psychoanalytische Entwicklungspsychologie.

  • 1 bis 9 Monate: Oral-Inkorporative Phase
  • 6 bis 12 Monate: Oral- Sadistische Phase
  • 9 bis 15 Monate: Anal-Sadistische Phase
  • 12 bis 18 Monate: Anal-Retentive Phase
  • 17 bis 60 Monate: Phallische (genitale oder ödipale) Phase

Der Ausgang der oralen Phase prägt die Lebenseinstellung mit, konkret: optimistische-pessimistische Lebenseinstellung, Geselligkeit. Heutzutage wird nicht mehr schematisch die Dauer der Stillzeit als determinierender Faktor angesehen, sondern das ausreichende Maß an Zuwendung, das affektive Klima zwischen Mutter und Kind und der Grad an Nähe und Intimität, der zustande kommt, auch die Behutsamkeit des Abstillens spielt eine wichtige Rolle.

Der Ausgang der analen Phase ist entscheidend für die Dimension Spontaneität-Impulsivität. So kann eine überrigide, verfrühte Sauberkeitserziehung zur Ausbildung der von Freud so beschrieben analen Triade beitragen: Geiz, Ordnungsliebe und Eigensinn.

Zu Beginn seines Lebens sei das Kind nach Freud "polymorph-pervers", was nicht abwertend, sondern so gemeint ist, dass die sexuellen Triebkräfte noch völlig unorganisiert und nicht in einer stabilen Geschlechtsidentität integriert sind. Die Libidotheorie postuliert verschiedene Partialtriebe (orale, anale und phallische), die mit der psychosexuellen Reifung allmählich unter das Primat des Genitalen integriert werden.

Buch-Tipp: Die Reise mit Paula Nirwana eines Therapeuten Sechs Erzählungen über Therapeuten und ihre Patienten, ihre Beziehung zueinander, übermäßige Sympathien und andererseits wage Antipathien und die Anfänge des "Phänomens Gruppentherapie" in den 70ern. Verlust, Trauerarbeit, (zu) starke Mütter, versagte Vaterliebe und überbewertete Selbstdarstellung sind ebenso Teil...

Psychoanalytische Triebtheorien

Nochmals kurz gefasst verläuft die Triebentwicklung (Libido-Entwicklung) in drei Schritten (s.a. Phasentheorie)

Diese drei Phasen nennen gleichzeitig drei Zentren der Triebentwicklung, der frühkindlichen Aufmerksamkeit und der frühkindlichen Sexualität. Die ersten beiden verschwinden nacheinander, bzw. gehen teilweise in die erwachsene Sexualität ein. Es war eins der großen Verdienste Freuds, zu erkennen, dass der Mensch von Geburt an ein sexuelles Wesen ist.

Sigmund Freud über den Trieb: "Unter einem Trieb können wir zunächst nichts anderes verstehen als die psychische Repräsentanz einer kontinuierlich fließenden, innersomatischen Reizquelle, zu dem Unterschiede vom Reiz, der durch vereinzelte und von außen kommende Erregungen hergestellt wird. Trieb ist so einer der Begriffe der Abgrenzung des Seelischen vom Körperlichen. (...)." (Freud, S. [1905] 1982, Bd. 5, 76). Freud beschreibt hier den Trieb als psychische Größe, jedoch ist sein Triebkonzept äußerst schwankend, uneinheitlich und von ständigen Umformulierungen gekennzeichnet. So steht auch das folgende Zitat in dem Widerspruch zu diesem, indem es den Trieb auf der somatischen Ebene ansiedelt: "Die ökonomische Betrachtung nimmt an, dass die psychischen Vertretungen der Triebe mit bestimmten Quantitäten Energie besetzt sind (...)." (Freud, S. [1926] 1960, Bd. 14, 302).

Wilhelm Reich hat diese zweite Auffassung folgendermaßen umschrieben: "Es ist vollkommen logisch, dass der Trieb selbst nicht bewusst sein kann, denn er ist dasjenige was uns regiert und beherrscht. Wir sind sein Objekt. Denken wir an die Elektrizität. Wir wissen nicht, was und wie sie ist. Wir erkennen sie ca. an ihren Äußerungen, am Licht und am elektrischen Schlag. Die elektrische Welle kann man wohl messen, doch auch sie ist ca. eines Merkmal dessen, was wir Elektrizität bezeichnen und eigentlich nicht kennen. So wie die Elektrizität messbar wird durch ihre Energieäußerungen, so sind die Triebe ca. durch Affektäußerungen erkennbar." (Reich, W. 1972, 33). Aber auch schon die Frage, ob sich das Konstrukt Trieb überhaupt einer dieser Ebenen zuschreiben lässt, wird von Freud widersprüchlich behandelt. "Wir können dem 'Trieb` nicht ausweichen als einem Grenzbegriff zwischen psychologischer und biologischer Auffassung." (Freud, S. [1913] 1960, Bd. 8, 410). Diese Äußerung widerspricht den Vorangegangenen, indem hier ausgesagt wird, dass der Trieb, eben nicht der somatischen oder psychischen Ebene zugesprochen werden kann, sondern ein Grenzbegriff ist.

Freud beschreibt die zentralen Qualitäten des Triebes wie folgt: "Die Quelle des Triebes ist ein erregender Ablauf in einem Organ und das nächste Absicht des Triebes liegt in der Aufhebung des Organreizes" (Freud, S. [1905] 1982, Bd. 5, 77). "Auf dem Wege von der Quelle zu dem Absicht wird der Trieb psychisch wirksam. Wir stellen ihn vor als einen gewissen Energiebetrag, der nach einer bestimmten Richtung drängt. (...) Die Absicht kann am eigenen Körper erreicht werden, in der Regel ist ein äußeres Objekt eingeschoben, an dem der Trieb sein äußereAbsicht erreicht; sein inneres bleibt jedes Mal die als Befriedigung empfundene Körperveränderung." (Freud, S. [1933] 1982, Bd. 1, 530).

Auslöser ist also ein interner Reiz der eine gewisse als unangenehm empfundene Triebspannung weckt. Diese Spannung weckt den Wunsch nach Verminderung derselben durch Befriedigung am Triebziel, meist dem Objekt.

Für diese Aufgabe stellt der Trieb einen gewissen Energiebetrag zur Verfügung. Hierbei ist wichtig, dass der Mensch dem Triebreiz, als einem inneren Reiz, nicht wie meist einem äußeren Reiz ausweichen kann. Er kann darum der Triebspannung nicht entgehen, ohne den Trieb zu befriedigen, wenn er die Triebbefriedigung auch eine zeitlang aufschieben kann. Je länger der Aufschub, je größer wird die aversive Spannung und der Wunsch nach Triebbefriedigung. Die Qualität des Triebes wird durch sein TriebAbsicht bestimmt. In die Haupttriebe dieser Modelle lassen sich alle anderen Triebe als Unter-Triebe integrieren. "Welche Triebe darf man aufstellen und wie viele? Dabei ist offenbar der Willkür ein weiter Spielraum gelassen. Man kann nichts dagegen einwenden, wenn jemand den Begriff eines Spieltriebes, Destruktionstriebes, Geselligkeitstriebes in Anwendung bringt, wo der Gegenstand es erfordert und die Beschränkung der psychologischen Analyse es zulässt. Man sollte aber die Frage nicht außer Acht lassen, ob diese einerseits so sehr spezialisierten Triebmotive nicht eine weitere Zerlegung in der Richtung nach den Triebquellen gestatten, so dass ca. die weiter nicht zerlegbaren Urtriebe eine Bedeutung beanspruchen können." (Freud, S. [1915] 1982, Bd. 3, 87).

Ein Trieb verlangt die ihm eigene Befriedigung und meist auch ein ihm eigenes Objekt, trotzdem kann eine gewisse Menge der ursprünglichen Triebenergie auf ein andereAbsicht verschoben werden und dadurch befriedigt werden, diesen Ablauf bezeichnet Freud Sublimierung. Das TriebAbsicht ist die Erleichterung der Erregungsspannung.

In der Triebtheorie kommt es zu entwicklungsbedingtem Verhalten und Ansprüchen, die auch unter gesunden Verhältnissen an bestimmten Punkten mit der Realität in Konflikt geraten und weitere Entwicklung bzw. Verzicht einleiten. So beobachtet man zu dem Beispiel häufiger, dass in der ödipalen Phase Söhne zu ihren Müttern sagen: "Wenn ich groß bin, heirate ich dich!", selbst wenn der Vater daneben steht. Der Vater als Rivale wird anfangs geleugnet, später gefürchtet. Durch die wachsenden Fähigkeiten, die Realität korrekt einzuschätzen und durch die Präsenz des Vaters kommt es dann zu dem Verzicht auf diese Wünsche. (Dasselbe gilt in umgekehrter Weise natürlich auch für Töchter in Bezug auf ihren Vater.) Unter pathologischen Bedingungen zu dem Beispiel durch einen überaggressiven Vater oder eine latent inzestuöse Mutter kann hier aber auch der Ausgangspunkt einer späteren Störungen mehr oder minder schwerer Art gelegt werden. Es gibt eine Vielzahl möglicher krankmachender Konstellationen und Bedingungen in der Familiensituation und eine genauso große Zahl von Folgen auf die Entwicklung des Kindes.

Die Triebtheorie birgt leider die Gefahr, aus dem "Kind als Opfer" das "Kind als Täter" zu machen. Auch wenn natürlich Kinder verführende Verhaltenszüge in bestimmten Phasen haben, so gehört dies zur gesunden Entwicklung, und es ist Sache der Eltern, damit verantwortungsvoll umzugehen und diese Verhaltenszüge nicht für eigene ungestillte Bedürfnisse zu missbrauchen. Dabei kann möglicher Missbrauch häufig sehr unterschwellig ablaufen, ohne dass es zu sexuellen Kontakten in dem direkten Sinne kommt, sehr häufig reichen auch von den Eltern erotisch angereicherte Phantasien bzgl. ihrer Kinder, die atmosphärisch in die Eltern-Kind-Interaktion eingehen, um die Kinder schwer in ihrer Entwicklung zu schädigen. Generell kommt es in stark triebtheoretisch ausgerichteten Analysen eher vor, dass das, was Patienten in ihrer Kindheit an schlimmen Erfahrungen, Traumatisierungen, alltäglichen Belastungen erlitten haben, zu kurz kommt gegenüber triebtheoretisch begründeten Konflikten. Wobei der Triebtheorie das Verdienst zukommt, in den unterschiedlichen Entwicklungsphasen typische und häufig auftretende Konfliktmuster erstmals systematisch erfassbar gemacht zu haben. Man kann diese Theorie auch nutzen, um die Auswirkungen von Traumata auf die psychosexuelle Entwicklung besser zu verstehen. Dabei kann man trotzdem das Kind in dem Patienten als Opfer einer familiären Entgleisung ansehen, dessen Anwalt der Analytiker in der Behandlung sein sollte.

Buch-Tipp: Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin / Und jeden Tag ein bißchen böser. Nützlich In dem ersten Buch "Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin" geht die Autorin auf mögliche Ursachen ein, weshalb Frauen nicht ihr volles Potential ausschöpfen. Diese Theorien lesen sich etwas trocken. Das zweite Buch "Und jeden Tag ein bißchen böser" hat mir wesentlich besser gefallen, ein richtig gutes Handbuch mit vielen...

Libido

Der Libidobegriff bei Freud ist ein widersprüchliches Konzept. Libido meint bei Freud keine wie bei Jung allgemeine, biologische Lebensenergie, sondern eine psychische Energie des Sexualtriebes, sie erfasst bis auf ein Trieb-Modell nie den ganzen Triebbereich. In dem letzten Modell - Eros und Todestrieb - ist sie beispielweise ca. die Energie des ersten Komplexes. Hier wird die Libido bereits sehr umfassend gesehen, zumal die meisten Analytiker - vor allem in heutiger Zeit - die Existenz eines Todestriebes bezweifeln. "Die Libido als Triebenergie hat ihre Quelle in den verschiedenen erogenen Zonen; das Ich als Gesamtperson hortet diese libidinöse Energie, deren erstes Objekt es ist." (Laplanche, J. & Pontalis, J.-B., 1986, 206). Allerdings können die verschiedensten Dinge des Alltags libidinös besetzt werden, zu dem Beispiel durch Sublimierung, so dass die Libido auf diesem Weg doch wieder den Charakter eines relativ universalen Antriebes bekommt.

Buch-Tipp: Herrin im eigenen Haus Wer andere Frauen nicht mag, lebt mit sich in dem Unfrieden ( Onken) Die Psychologin Julia Onken beschäftigt sich in diesem Buch mit dem mangelnden Selbstbewusstsein vieler Frauen und geht der Frage nach, wie man dieses zurückgewinnen kann. Die Feministin sieht in den stets noch partiarchalischen Gesellschaftstrukturen mit den ihnen eigenen Entwertungs-...

Freuds Topographisches Modell

Anregungen zu diesem Modell bekam Freud von Theodor Fechner (Drews, S. & Brecht, K., 1982, 50). Dieses Modell führte allerdings zu verschiedenen inhärenten Erklärungsschwierigkeiten, die erst in dem späteren Dreiinstanzen-Modell gelöst wurden.

  • Das Unbewusste (Ubw): "Freud hat die Frage des Inhalts des Systems Ubw nie unmissverständlich geklärt." (Drews, S. & Brecht, K., 1982, 51). Einerseits rechnet Freud phylogenetisch erworbene Inhalte dazu, andererseits ca. das, was zuvor verdrängt wurde, und dann wieder Triebrepräsentanzen. Es bestehen hier also Widersprüche und Unklarheiten. "Die Darstellung der Widersprüche der inhaltlichen Aspekte des Ubw scheint uns an dieser Stelle angebracht, da das Problem der inhaltlichen Bestimmung des Ubw mit der Einführung des Strukturmodell auf das Es übertragen wird. Das Es jedoch wird die Matrix sein, aus der sich das Ich herausdifferenziert, und unter diesem Aspekt wäre es problematisch, als unbewusst ca. zu nennen, was verdrängt ist: das Ich hätte keine Entstehungsgrundlage, denn das Verdrängte entsteht ja erst auf seine Veranlassung hin." (Drews, S. & Brecht, K., 1982, 52).
  • Das System Bewusstsein (Bw): Das Bewusstsein empfängt Informationen aus der Außenwelt, das Bewusstsein hat keine Inhalte auf der Basis von Gedächtnisspuren, sondern ist quasi ein Sinnesorgan zur Wahrnehmung von psychischen Qualitäten (Drews, S. & Brecht, K., 1982, 52).
  • Das System des Vorbewussten (Vbw): Das Vorbewusste beinhaltet unbewusste, jedoch in dem Gegensatz zu dem Unbewussten bewusstseinsfähige Inhalte. Hier findet auch die Umwandlung von primärprozesshaftem in sekundärprozesshaftes statt, das heißt hier findet die Zensur statt, aber auch die Anpassung der Triebwünsche an die Realität und deren Befriedigungsmöglichkeiten.

Das Problem dieses Systems ist, dass der Tätigkeit der Zensur kein geeigneter Ort zugewiesen werden kann. Das Problem besteht darin, "dass die Zensur und Abwehr entweder als vorbewusst-bewusste Tätigkeiten zu begreifen sind (dann müssten wir von einer Unterdrückung oder Urteilsverwerfung sprechen, die bekanntlich nicht pathogen und durch eigene Einsicht revidierbar ist) oder als unbewusster Vorgang. in dem zweiten Fall hat aber das Modell, weil dies in ihm nicht darstellbar ist, seine Funktion verloren. Da die therapeutische Erfahrung den unbewussten Charakter der Abwehr und der Verdrängung zwingend zeigt, lässt Freud auch das Modell der ersten Topik fallen." (Schöpf, A. 1982, 97).

Buch-Tipp: Kinder aus geschiedenen Ehen: Zwischen Trauma und Hoffnung. Wie Kinder und Eltern die Trennung erleben Bestes Sachbuch zum Thema Scheidungskinder Aus persönlich Betroffener habe ich eine Reihe publizierter Bücher zu der Problematik Scheidungskinder gelesen. Die meisten sagen zwar viel Wahres, aber treten häufig vor allem mit einem moralischen Anspruch an die Eltern auf, der aber für die meisten der Eltern wegen eigenen Verlustängsten etc. nur...

Freuds Dreiinstanzenmodell

Dieses Modell hat Freud 1923 vorgestellt (Freud, 1923). Das Ich als auch das Über-Ich umfassen nun bewusste und unbewusste Inhalte, ca. das Es ist völlig unbewusst. Dadurch konnte das Problem der Verortung der zensierenden Instanz elegant gelöst werden.

  • Es: Völlig unorganisiertes, primäres Triebenergiereservoir, die Quelle unbewusster Triebregungen und Triebwünsche, der Ort archaischer Vorstellungen und Verhaltensmuster und der Bereich des Verdrängten. Das Es ist ein von Georg Groddeck geprägter Begriff.
  • Ich: Quasi an der Oberfläche des Es, die Instanz der Selbststeuerung, der Anpassungsfunktionen an die Realität und der Realitätsprüfung fähig. Das Ich ist aus dem Es entstanden und vertritt dieses in der Realität, es heißt, es moduliert die Triebbedürfnisse in eine realitätsgerechte Form.
  • Über-Ich: Der Bereich des Gewissens, der Werte, der verinnerlichten Vorbilder, der Ideale, der Gebote und Verbote und der moralischen Vorstellungen.
Buch-Tipp: Leise wie ein Schmetterling. Abschied vom fehlgeborenen Kind Ein tolles, hilfreiches Buch Nach dem tod unseres Sohnes bin ich auf viel "Unverständnis" gestossen, darum hab ich mir die Rückenstärkung durch lesen in Büchern und in dem Internet geholt, denn ich war der Meinung ich habe ein Recht auf Trauer, auch wenn mein Sohn ca. in mir gelebt hat. Das Buch von Uta Horn, hat mich sofort in Bild und Titel angesprochen...

Methoden der therapeutischen Psychoanalyse

Generell geht die Psychoanalyse davon aus, dass schwere, unverarbeitbare Erfahrungen in der Kindheit verdrängt werden müssen, weil die kindliche Persönlichkeit anderenfalls darunter zusammenbrechen würde. Kein Kind kann zu dem Beispiel längere Zeit ertragen von Elternteilen nicht geliebt oder gar teilweise gehasst zu werden. Die Psychoanalyse verspricht sich Heilung von der Bewusstmachung des Verdrängten oder wie Freud es ausdrückte: "Wo Es war, soll Ich werden." Verdrängte Erfahrungen sind einer Bearbeitung und Verarbeitung durch das Bewusstsein entzogen und können nicht in die Persönlichkeit integriert werden. Dies soll in der Analyse allmählich und unter gleichzeitigem persönlichen Wachstum und persönlichem Erstarken, unterstützt von der menschlichen Hilfe des Analytikers, nachgeholt werden. Teilweise muss Trauerarbeit nachgeholt werden, alte Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster müssen nach dem sie als Teil der persönlichen Geschichte erkannt wurden, durch neue ersetzt oder ergänzt werden. Teilweise heilt die Psychoanalyse auch dadurch, dass in der Beziehung zu dem Analytiker neue, korrigierende Erfahrungen gemacht werden, zu dem Beispiel im in der Analyse zu dem ersten Mal die Erfahrung einer konstanten, unverbrüchlichen und haltgebenden zwischenmenschlichen Beziehung gemacht wird. Oder an der Person des Analytikers wird erlebt, dass verselbständigende und Abgrenzungs-Tendenzen keine negative Reaktionen nachsichziehen. Oder, dass die Person des Psychoanalytikers jemand darstellt, der mit erotischen Anteilen einer Beziehung umgehen kann usw.

Unverarbeitete Anteile einer Lebensgeschichte oder Defizite an Nähe und Wärme schränken die Persönlichkeit ein und/oder führen zu unangemessenen Verhaltensmustern. Häufig kommt es auch zum so genannten Wiederholungszwang. Freud erkannte, dass wir manche für uns kritischen und unverarbeitbaren Situationen unbewusst stets wieder herstellen (inszenieren), in der gleichfalls unbewussten Hoffnung dieses Problem doch noch zu lösen. So sucht sich eine Frau, die als Kind unter ihrem kalten, unnahbaren Vater gelitten hat, häufig wieder unbewusst eine solchen Ehemann aus und wiederholt mit ihm die alten Kämpfe und Konflikte. Ab und zu projiziert sie auch ca. diese Merkmale auf ihren Mann und bringt ihn auf unterschwellige Weise dazu, sich so uneinfühlsam wie früher ihr Vater ihr gegenüber zu verhalten. Häufig ergänzen sich solche Muster bei Paaren auch auf unheilvolle Weise und führen zu einer Dynamik aus der die Paare alleine nicht mehr herausfinden.

Eine andere Möglichkeit, wie sich solche Erfahrungen niederschlagen können, sind zu dem Beispiel Depressionen. In dem Verständnis der Psychoanalyse sind Depressionen das Ergebnis von Beziehungsverlusten oder Beziehungsabbrüchen in der Kindheit, die aber nicht in der Schwere des Verlusts gefühlt und betrauert werden konnten, d. h. mit anderen Worten partiell geleugnet werden. Das kann zu dem Beispiel bei der Geburt eines jüngeren Geschwisters passiert sein, wenn sich die Eltern teilweise oder ganz von dem älteren Kind abwendeten und niemand Augen für dessen Trauer und Wut hatte und ihm durch Verständnis und Zuwendung half, diese Situation zu verarbeiten. Ab und zu können solche Depressionen auch erst aufbrechen, nach dem in der gegenwärtigen Lebenssituation einen Verlust durchzumachen war, bei dem unbewusst wieder die 'alte Wunde' aufbrach.

Das Setting

Die sog. klassische Psychoanalyse findet in dem Liegen statt, wobei der Analytiker außerhalb des Blickfeldes seines Analysanden saß. (Bei anderen Formen, z.B. der Fokaltherapie sitzen sich beide gegenüber.) Der Grundgedanke der Psychoanalyse ist, dass der Analytiker als Persönlichkeit möglichst in dem Hintergrund bleibt, quasi eine weiße Wand, auf die der Patient alle seine frühen Beziehungspersonen, wie Vater, Mutter und Geschwister projizieren kann. Das macht der Patient in der Regel nicht Ziellich oder freiwillig, sondern unbewusst und automatisch. So erscheint der Analytiker zu dem Beispiel einmal unkonzentriert und wird dadurch zu dem Vater, der einem nie zugehört hat und sowieso kein Interesse an einem hatte. Die ursprüngliche Wut gegen den Vater richtet sich nun gegen den Analytiker(-Vater) und kann so vielleicht zu dem ersten Mal wirklich erlebt und gefühlt werden, weil die bedrohliche Aggressivität des tatsächlichen Vaters dies früher eventuell unmöglich gemacht hat. Ein anderes Beispiel wäre, dass dadurch, dass der Analytiker auf pünktlichem Stundenende besteht, er als versagende Mutter erlebt wird. Oder der Patient erlebt stürmische Verliebtheit in seinen Analytiker, was eine ödipale Situation wiederbelebt usw. Diesen Ablauf der Verschiebung auf den Analytiker bezeichnet die Psychoanalyse Übertragung.

Die Übertragung

Den Ablauf des Hineinlegens früher Beziehungspartner und früher Beziehungserfahrungen in den Analytiker nannte Freud die Übertragung. Diese Übertragung ist zentraler Baustein einer jeden Analyse und wichtiger Bestandteil der Beziehung zwischen Analytiker und Analysand. Ein Beispiel: es können möglicherweise bei einem Analysanden frühe Erfahrungen der Geschwisterrivalität wiedererweckt werden durch einen weiteren Patienten, dem er in dem Wartezimmer begegnet oder der angesichts eines bevorstehenden Stundenendes gar ungeduldig an die Tür des Behandlungszimmers klopft und so die Stunde des Analysanden stört. Der Mitpatient wird dann vielleicht als verdrängendes Geschwister und der Analytiker als treuloser Beziehungspartner erlebt. Das kann sich zu dem Beispiel in heftigen Angriffen gegen den Analytiker äußern, der solchem Verhalten von Seiten des Mitpatienten nicht in ausreichendem Maße einen Riegel vorschiebe usw. Solche und generell Alltagssituationen, die in den Stunden besprochen werden, erlauben es häufig frühe Erfahrungen in Zusammenarbeit mit dem Analytiker wiederzubeleben und neu zu verarbeiten.

Man unterscheidet positive und negative Übertragung. Bei der positiven Übertragung werden positive Anteile früherer Beziehungen auf den Analytiker projiziert, bei der negativen Übertragung negative Anteile.

Die Gefühle und Vorstellungen, die der Analytiker wiederum als Reaktion auf das Verhalten der Patienten bekommt, bezeichnet man die Gegenübertragung des Analytikers. In unseren Beispiel kann sich unser Analytiker vielleicht einen Moment lang völlig unzulänglich, nachlässig und treulos fühlen, so wie der Patient früher seine Eltern erlebt hat. Der Analytiker sollte in seiner eigenen Analyse bzw. Lehranalyse gelernt haben, eigene Gefühle und Vorstellungen von durch Patienten erzeugten Gefühlen und Vorstellungen zu unterscheiden, um angemessen damit umgehen zu können, statt mit dem Patienten unbewusst mitzuagieren.

Wenn der Patient in dem Analytiker aktuell vor allem Züge von sich selbst sieht, spricht man von einer Spiegelübertragung. Von komplementärer Gegenübertragung spricht man, wenn der Analytiker sich in der Rolle des früheren Beziehungspartners des Analysanden wahrnimmt zu dem Beispiel in der Vater- oder Mutterrolle. Von konkordanter Gegenübertragung oder Spiegelgegenübertragung spricht man, wenn in einer Therapiesituation sich der Therapeut mit der Rolle und dem Erleben des Patienten identifiziert, sich in diesen hineinversetzt und das Erleben des Patienten nachempfindet.

Das freie Assoziieren

Die psychoanalytische Grundregel und das freie Assoziieren: Freud hat eine so genannte Grundregel aufgestellt, die dem Patienten zu Beginn der Behandlung mitgeteilt werden soll, nämlich, dass er alles was ihm in den Stunden einfällt mitteilen soll, auch wenn er es für bedeutungslos hält oder sich seiner Gedanken schämt. Er solle seine Gedanken nicht hemmen, sondern ihnen seinen freien Lauf in jedwede Richtung lassen, was Freud das freie Assoziieren bezeichnet. Freud nahm an, dass sich in dieser Form verkleidetes, unbewusstes Material äußere und man es so für die Behandlung nutzbar machen könne. Da unbewusste Inhalte zunächst einmal als bedrohlich, peinlich oder schmerzhaft empfunden werden, setzt das Unbewusste des Patienten dem Aufdecken dieser Inhalte einen Widerstand entgegen, ein weiterer wichtiger Begriff in der Psychoanalyse. Der Therapeut geht zu Beginn der Behandlung mit dem Patienten ein so genanntes Arbeitsbündnis ein, d.h. der Patient stellt seinen Wunsch zur Gesundung, seine gesunden Persönlichkeitsanteile und seine

Kooperationsbereitschaft mit dem Analytiker in den Dienst der gemeinsamen Aufgabe. Überspitzt gesagt wird das Verdrängte als der gemeinsame Feind von Patient und Therapeut angesehen, dem man mit vereinten Kräften zu Leibe rückt. Gerade die gemeinsame Beziehung wird aber durch unbewusste Konflikte stets wieder gefährdet, darum ist die Allianz zwischen Patient und Therapeut stets ca. teilweise verlässlich und gleichzeitig ist diese Beziehung, der Punkt wo die Werkzeuge der Psychoanalyse wirksam angesetzt werden können und wo exemplarisch die ursprünglichen Konflikte aufgearbeitet werden können. Das Übertragen alter Konflikte auf die therapeutische Beziehung bezeichnet man bezogen auf einzelne Störungen auch die Übertragungsneurosen, d.h. die Lebensneurosen werden in der Behandlung zu Übertragungsneurosen. So können sich ab und zu schon durch diesen Prozess Alltagsbefindlichkeiten verbessern, weil der Druck der Störung aus dem Alltag etwas herausgehalten werden kann und stattdessen seinen Raum in der Beziehung zu dem Therapeuten findet. Das Problem ist mit diesem ersten Schritt aber keinesfalls schon gelöst.

Bedeutung

Die Psychoanalyse spielt an Universitäten keine bezeichnenswerte Rolle mehr, lediglich in dem klinischen Bereich (Therapie) besitzt sie auch heute noch eine größere Bedeutung.

Dennoch hat die Psychoanalyse Kunst wie Wissenschaft massiv beeinflusst, vor allem andere Geistes- und Sozialwissenschaften wie Soziologie, Pädagogik, Literaturwissenschaft oder die Theater- und Filmwissenschaft.

Außerdem haben sich die Beratungsformen der Supervision aus der lehranalytischen Praxis entwickelt. Ruth Cohn übertrug die analytische Arbeit auf Gruppen und entwickelte die Themenzentrierte Interaktion.

Film und Psychoanalyse

Freud als Begründer der Psychoanalyse lehnte es selbst ab, an der Produktion eines Filmes über dieses Thema teilzunehmen. Für ihn war das Medium Film minderwertig im Sinne, dass es ca. eine Simulation darstellt. Dennoch ist gerade die Verbindung zwischen Traum und Film offensichtlich. Psychanalytiker wie auch Filmtheoretiker weisen darauf hin, dass es große Ähnlichkeiten zwischen dem Traumzustand und dem Zustand des Film-Schauens gibt. Diese manifestieren sich vor allem durch

  • die Flüchtigkeit der Bilder
  • den Dämmerzustand sowohl des Schlafens als auch in dem Kinosaal
  • die assoziativen Verknüpfungen der Bilder bzw. Szenen
  • die Rolle des Träumenden/Schauenden als Beobachter, der nicht eingreifen kann

Wenn man die Methoden der Psychoanalyse auf den Film anwenden will, so wird der Film gewissermaßen zu dem Klienten bzw. Patienten; es gilt also, die verschiedenen Ebenen der Bilder, die der Film zeigt, zu durchdringen. Dabei ist es wichtig, nicht den Drehbuchschreiber oder den Regisseur als zu analysierendes Objekt zu sehen, da man nicht davon ausgehen kann, dass die Filmbilder auch dessen Traumbildern entsprechen - egal, wie autobiographisch der Film ist. Vielmehr soll es deshalb gehen, die Wirkungsweise des Films auf den Zuschauer zu analysieren, die benutzten Mittel wie Licht, Musik, Bewegung, Großaufnahmen etc. daraufhin zu behandeln, was sie beim Publikum auslösen und inwiefern sie die Freudschen Urfantasien erfüllen. Dabei spielen Vorgänge wie Identifikation und das unbewusste Verarbeiten ödipaler oder narzisstischer Strukturen eine große Rolle. Vor allem Linda Williams geht davon aus, dass Filme ca. dann erfolgreich sind, wenn sie die Urfantasien ansprechen, da der Zuschauer dadurch den Film tatsächlich miterlebt und unbewusst auf sich selbst beziehen kann. Maßgeblich ist bei der psychoanalytischen Filmtheorie, dass scheinbar unwichtige oder nebensächliche Details eine weitaus größere Wirkung auf die Psyche des Zuschauers haben, als dieser bewusst erfassen kann. Wichtige Vertreter dieser Filmtheorie sind Mechthild Zeul , Christian Metz , Teresa de Lauretis und Mary Ann Douane . Gemeinhin stützt sich die psychoanalytische Filmtheorie auf die Theorien von Jacques Lacan, da auch in diesem Gebiet Freud mittlerweile z.T. als überholt gilt.

Kritik

Die Psychoanalyse hat mit dem Problem des Subjektiven zu kämpfen: mehrere Schulen vertreten verschiedene Auffassungen auch zu fundamentalen Größen. Und dort, wo allgemeine Erkenntnisse entstanden sind, lassen sie sich nicht ohne weiteres auf das Individuum übertragen; dort, wo das Individuum mehr oder weniger vollständig verstanden ist, lassen sich die Erkenntnisse nicht verallgemeinern.

Die Psychoanalyse begegnete von Anfang an zahlreicher Kritik. Heute kommt die Kritik insbesondere aus der wissenschaftlichen Psychologie. Ein Ansatz für die Kritik ist, dass sich die Psychoanalyse nie sonderlich um eine empirische Überprüfung ihrer Ergebnisse bemüht hat. Freud versuchte zwar, der Psychoanalyse den Anschein eines naturwissenschaftlichen Systems zu geben; jeder Versuch, Thesen zu falsifizieren wurde aber als "Widerstand" in dem Sinne der Psychoanalyse gedeutet. Mit der mangelnden Überprüfbarkeit sind wesentliche Kriterien für wissenschaftliche Arbeit nicht erfüllt. Von diesem Standpunkt aus wird die Psychoanalyse als Pseudowissenschaft betrachtet Die Wissenschaft kennt keine "geschlossenen Systeme". Daneben gab es in dem Nationalsozialismus wie auch in dem Stalinismus eine politisch motivierte Ablehnung des psychoanalytischen Lehrgebäudes, in NS-Deutschland bezog man sich hierbei auf Alfred Hoche.

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